Geschichte
Der bekannteste und berühmteste Marienwallfahrtsort in Böhmen - der Heilige Berg (tschechisch Svatá Hora) - erhebt sich in seiner heutigen Gestalt seit über 330 Jahren hoch über der alten Bergbaustadt Příbram (in den deutschen Quellen auch Pribram genannt) und bildet dort ein majestätisches Panorama. Dieser Wallfahrtsort stellt eine für Böhmen typische barocke Anlage mit vier zu einem Rechteck zusammengeschlossenen Umgängen dar, in dessen Mitte sich die eigentliche Gnadenstätte, die Marienkirche, befindet. Dank seiner äußeren Schlichtheit und seinen basteiartigen Eckkapellen erinnert er an eine Festung oder eine Burg, die Burg Mariä.
Wegen seiner Lage inmitten des Landes wurde der Heilige Berg als das geistliche Herz Böhmens bezeichnet. Über seine älteste Geschichte ist nur wenig bekannt.
Die Form der ursprünglichen Kapelle kennen wir zum Glück aus ihrer ältesten Darstellung auf einer Vedute von Příbram aus der Zeit um 1650. Es ist ein einfaches Gebäude ohne einen bestimmten Baustil, das der Beschreibung von Bohuslav Balbín in seinem 1665 erschienenen Buch „Diva Montis Sancti" entspricht. Darin erfahren wir, dass es raue, unebene Mauern, eine flache Holzdecke, zwei Eingänge ohne Türen in den Schiffseiten und einen Lehmboden hatte und dass seine Abmessungen 13 m lang, 7 m breit und 4 m hoch (Balbín gibt jedoch die Maße in Ellen an) waren. Die geschichtlichen Anfänge des Gotteshauses sind mit Sagen umwoben. Laut einer wurde es im Jahre 1260 vom Ritter Malovec als Dank an die Muttergottes für seine erhörte Bitte um Schutz vor Feinden (Räubern oder auch Soldaten) erbaut, laut einer anderen ließ es der erste Prager Erzbischof Ernst von Pardubitz, der Nachkomme vom Ritter Malovec, erbauen. Manche Autoren legen die Entstehung des Baus in die Zeit Königs Wladislaw II. um 1500. Da die Kapelle auf dem Gemeindegrund stand und mit gemalten Familienwappen von Adeligen aus Příbram und Umgebung, die hier in der ersten Hälfte des 16. Jh. lebten, versehen war, kann angenommen werden, dass sie vom regionalen Herrscher und von der Stadt Příbram erbaut wurde. Die Nichterkennbarkeit eines Baustils und die baufachmännisch mangelhafte Einfalt lassen auch die Möglichkeit offen, dass sie von einem der Eremiten, die „seit Urzeiten" die nahegelegene Einsiedelei bewohnt haben, errichtet wurde.
Sagenumwoben ist auch die Statue der Muttergottes vom Heiligen Berg. Der Geschichtsschreiber Bohuslav Balbín notierte die mündliche Überlieferung der Alten, laut der der künftige Erzbischof Ernst von Pardubitz die Statue eigenhändig geschnitzt und auf dem Altar im Erker der Kapelle in seiner Burg direkt in der Stadt bewahrt hatte (die Burg samt Kapelle ist bis heute erhalten geblieben). Während der Hussitenkriege versteckten sie die Bergleute in den Silberbergwerken von Příbram, und später stand sie eine gewisse Zeit lang in der Jakobikirche auf dem Marktplatz und schließlich in der Spitalkirche des hl. Johannes des Evangelisten. Um die Silbergewinnung zu erhöhen, wurden zu Beginn des 16. Jh. deutsche Bergleute aus dem Erzgebirge berufen, und die Kirche des hl. Johannes des Evangelisten wurde ihnen übergeben. Die böhmischen Bergleute übertrugen die Marienstatue zusammen mit der Statue der hl. Elisabeth von Thüringen in die Kapelle auf dem Heiligen Berg und stellten sie auf den Seitenaltar an der Südwand.
Die Gnadenstatue der Muttergottes vom Heiligen Berg ist eine alte, gotische Schnitzarbeit, deren genauere Datierung jedoch durch die etwas rustikale bzw. volkstümliche Gestaltung erschwert wird. Eine zeitliche Verzögerung bezüglich des Stils ist daher anzunehmen. Sie ist zweifellos einheimischer Provenienz und stellt gewissermaßen den Anfang der Holzschnitztradition der Bergleute von Příbram dar. Die Annahme, dass der Künstler Ernst von Pardubitz gewesen sei, sowie die genaue Angabe über das Entstehungsjahr bleiben - falls keine weiteren historischen Quellen gefunden werden - weiterhin bloße Vermutungen.
Die Kapelle wurde von Eremiten betreut, die von der Gemeinde damit beauftragt wurden. Sie bewohnten eine Blockhütte, die nördlich in der Nähe der Kapelle stand. Die Gemeinde machte dabei keinen Unterschied zwischen Katholiken und Utraquisten (Hussiten). Die Kapelle diente Pilgern beider Konfessionen, die hier Trost, Kraft und Hilfe in ihrem Kummer suchten. Seit uralten Zeiten zogen alljährlich Prozessionen zu diesem Ort - bis zum Dreißigjährigen Krieg. Der brachte schlechte Zeiten. Fremde Heere plünderten das Land, steckten vieles in Brand, raubten und machten die Bevölkerung zum Bettlervolk. Das Land war durch den langen Krieg erschöpft, schreckliche Gerüchte verbreiteten sich, die Menschen lebten in Furcht, das Ende des Krieges war nicht abzusehen, Hoffnungslosigkeit nahm zu. Der Einfall der Sachsen in Böhmen im Jahre 1631 versetzte auch dem Heiligen Berg einen schweren Schlag. Ein Teil des kaiserlichen Heeres schlug hier sein Lager auf, und die Kapelle wurde als Pferdestall benutzt. Die Soldaten verbrannten alles, was man verbrennen konnte, nur die Statuen auf dem Altar ließen sie stehen. Die geplünderte, beschmutzte Kapelle war das Bild einer Zeit, in der das Vaterland und sein Volk wörtlich heruntergekommen waren.
In jener Zeit bahnte sich in Prag ganz unauffällig etwas an, wovon keiner gedacht hätte, dass es das Schicksal des Heiligen Berges beeinflussen könnte. Ein blinder Bettler, Jan Procházka, hatte nämlich mehrere Tage nacheinander einen Traum, in dem er aufgefordert wurde, auf den Heiligen Berg zu gehen und die Muttergottes um die Heilung seiner Augenkrankheit zu bitten. Die überzeugende Kraft des Traumes, der sich mehrmals wiederholt hatte, brachte den Bettler zur Entscheidung, ihm zu folgen. Er machte sich auf den Weg, begleitet von seinem zehnjährigen Enkelsohn. Nach Příbram kamen die beiden am 10. Juni 1632. Die Einsiedelei war nicht besetzt. Nach einigen Tagen ununterbrochener Gebete und Bitten an die Muttergottes geschah ein Wunder - Procházka konnte tatsächlich wieder sehen, so wie es ihm im Traum versprochen wurde. Seine Genesung wurde aufgrund von Augenzeugenaussagen und ärztlichen Gutachten, wie es die kirchlichen Vorschriften verlangten, als wahres Wunder anerkannt. Procházka blieb dann als Einsiedler auf dem Heiligen Berg.
Das genannte Wunder weckte Hoffnung, welche die Menschen in der damaligen Zeit am meisten benötigten. Die Nachricht davon verbreitete sich schnell und gelangte bald bis zum kaiserlichen Hof. Im Jahre 1634 besuchte dann Kaiser Ferdinand II. mit seinem Sohn die einfache Kapelle, um die Muttergottes vom Heiligen Berg persönlich zu preisen. Das Wunder wurde zum bahnbrechenden Ereignis in der Geschichte des Heiligen Bergs. Nach dem kaiserlichen Besuch begannen sich zuerst die Edelleute aus der Umgebung für ihn zu interessieren. Sie zeigten sich freigiebig und pflegten die Kapelle. Diese wurde renoviert und mit neuen Türen, Fenstern und neuer Decke ausgestattet, Sitzbänke und Orgel wurden gestiftet. Die Anzahl der Gönner und Muttergottesverehrer nahm zu. Selbst Kaiser Ferdinand III. stattete dem Heiligen Berg im Jahre 1646 gleich zweimal einen Besuch ab; einmal mit seinem Bruder, das zweite Mal mit seinem Sohn, mit dem er zur Krönung nach Prag reiste.
Während des unendlichen Kriegs wurde der Heilige Berg mehrmals von tobenden Heeren bedroht, doch die Marienstatue wurde immer rechtzeitig gut versteckt.
Es mangelte an Priestern, und der Dechant von Příbram konnte seine Aufgaben als Seelsorger kaum bewältigen. Deshalb besuchte er nur selten den Heiligen Berg. Mehrere Adelige aus der nächsten Umgebung verfassten deshalb einen Bittbrief und schickten ihn an den Kaiser. Darin baten sie ihn, mit der geistlichen Betreuung bei der Kapelle die Jesuiten aus dem unweit gelegenen Ort Březnice zu beauftragen. Der Kaiser kam ihnen entgegen, und die Jesuiten übernahmen am 24. August 1647 die Seelsorge.
Die Väter aus der Gesellschaft Jesu fingen klein an. Doch sie übten eifrig ihr Amt an diesem Ort sowie in den umliegenden verlassenen Pfarrgemeinden aus.
Im Jahre 1648 ging der längste Krieg in der Geschichte des Landes Böhmen zu Ende. Alles war verwahrlost, alles musste neu hergerichtet werden. Die hingebungsvolle Arbeit der Jesuiten auf dem Heiligen Berg begann bald Früchte zu tragen. Die Zahl der Pilger, der Büßenden und Bittenden, wuchs an, und die Kapelle wurde zu klein. Endlich beschlossen die Jesuiten, nach einer mehr als elfjährigen Tätigkeit an diesem Ort einen großzügig angelegten Wallfahrtsort zu erbauen, der den Bedürfnissen einer großen Anzahl von Pilgern gerecht sein würde. Am 13. Februar 1659 trafen sich P. Benjamin Schleyer und der Architekt Carlo Lurago, um miteinander den Bauentwurf für den künftigen barocken Wallfahrtsort zu besprechen. P. Schleyer äußerte wahrscheinlich seine Vorstellung, und Lurago setzte sie in seinem Plan um.
Lurago fertigte schon früher für die Jesuiten in Březnice die Baupläne für die Kirche des hl. Franz Xaver, die Friedhofskirche des hl. Rochus und für die Kapelle im nahen Kurort Dobrá Voda. Später arbeitete er im Auftrag des Jesuitenordens an vielen bedeutenden Bauten in ganz Böhmen.
Lurago und P. Schleyer schlugen vor, die ursprüngliche Kapelle zu erhalten und sie auf einer höhergelegenen Terrasse mit acht weiteren Kapellen und zwei Vorräumen zu umbauen und in dem tiefer gelegenen Umgang mit rechteckigem Grundriss und vier oktogonalen turmartigen „Eckbasteien" weitere vierzehn Kapellen zu errichten. Die Durchführung dieses Plans war sehr kostspielig. Den Jesuiten gelang es jedoch, bald durch zielbewusste Propagierung etliche Mäzene aus den Reihen des Adels, des Bürgertums und der zahlreichen anonymen Pilger zu gewinnen. Die Kosten wurden von allen Schichten des Volkes getragen. Es entstand auf diese Art ein wahres nationales Denkmal, jedoch im Sinne des Jesuitenordens - zu Ehren Gottes und hier auch zu Ehren der Muttergottes vom Heiligen Berg. Die reicheren Gönner - Adel und Städte - zahlten für ihre Kapellen, insgesamt waren es 22, viel eher ein, als der erste Graben ausgehoben wurde. Mit den Erdarbeiten (zuerst im Bereich des Westumgangs) begann man erst anderthalb Jahre später - am 29. Juli 1660. Im Jahre 1661 wurden die Grundmauern der Eckkapellen angelegt und zum westlichen Abschluss des Gotteshauses wurde der Rohbau der großen Loggia angebaut. Der zaghafte Beginn der Bauarbeiten wurde diesmal durch Unruhen im Zusammenhang mit den Türkenkriegen verursacht, da die Türken über Ungarn in Richtung Mähren vordrangen. Am 18. April 1663 erklärte das Osmanische Reich dem österreichischen Kaiser den Krieg. J. J. Pospíchal, Prior des Kreuzherrenordens, schrieb am 9. September desselben Jahres, dass „eine furchtbare Angst in Prag waltete, als wäre der Türke bereits ganz nahe, und eine solche Furcht, dass man sie unmöglich beschreiben könne. Die Herrschaft als auch die Bäuerlein aus viele Meilen entfernten Orten gen Prag flüchteten, so dass die Tore kaum reichten. Selbst das Volk in Prag so betäubt, dass man es nicht aussprechen könne."
Besorgt um die Gnadenstatue der Muttergottes und um den Schatz vom Heiligen Berg brachten die Jesuitenväter die gesamten Wertgegenstände nach Prag. Obwohl der Krieg bereits im nächsten Jahr mit dem Sieg der kaiserlichen Heere endete, brachten die umsichtigen Jesuiten die Marienstatue erst im Mai 1665 zurück, nachdem sich die Lage nach dem Krieg beruhigt hatte. Der Bau wurde jedoch sofort nach dem Krieg, also 1664, fortgesetzt.
Zuerst wurden die achteckigen Eckkapellen gebaut, dann die West- und Südseite des Umgangs, die Loggia mit den drei offenen Kapellen an der Westseite des zentralen Gotteshauses, die Ostseite des Umgangs und schließlich dessen Nordseite mit der angrenzenden Residenz. Bis 1673 war der Hauptteil des Baus fast mit der gesamten Ausschmückung fertig. Die Zeit der Bauarbeiten fällt also vor allem in die Jahre 1664 bis 1673. Bereits am 27. August 1673 weihte der Prager Erzbischof Matthäus Sobek von Bilenberg feierlich das Gotteshaus und die drei Altäre innerhalb. Die Feierlichkeiten wurden dann drei Jahre später fortgesetzt, als Kaiser Leopold I. am 30. August den Heiligen Berg besuchte und ihn reich beschenkte. Unter allen böhmischen Wallfahrtsorten waren dem Kaiser Leopold I. Altbunzlau (Stará Boleslav) und der Heilige Berg am liebsten. Erneut pilgerte er auf den Heiligen Berg im Jahre 1680, als er sich vor der großen Pestepidemie von Wien nach Prag zurückzog. Der Ruhm des Wallfahrtsortes wurde auch durch die Besuche weiterer bedeutender Persönlichkeiten vermehrt.
Die endgültige Fertigstellung des Wallfahrtsortes wurde erneut durch Kriege und Pest behindert (Pest im Jahre 1680, Türken vor Wien 1683).
Man setzte die Bauarbeiten erst wieder gegen Ende des 17. Jh. und zu Beginn des 18. Jh. fort. Das natürliche, den Arkadenhof überragende Gelände (auf dem das zentrale Gotteshaus stand) wurde zu einer Terrasse mit steinernem Unterbau, Treppe und einer mit Heiligen- und Engelstatuen verzierten Balustrade umgestaltet. Die beiden Eingangstore wurden mit Statuen, Büsten, Reliefs und prunkvollen, architektonisch anspruchsvollen Portalen im Stil des Hochbarock ergänzt.
Der mit Kunstwerken vieler Maler, Bildhauer, Stuckateure und geschickter Handwerker ausgeschmückte Heilige Berg stellte für die Pilger, die von überall her in großen Prozessionen oder einzeln aus nahen und entfernten Orten Böhmens und Mährens kamen, ein wahres Wunder dar. Ihre Anzahl wuchs, der Ruhm des Ortes verbreitete sich auch über die Grenzen des Landes hinaus, Prozessionen kamen aus Bayern, Österreich, Ungarn und anderen Ländern. Bohuslav Balbín bemerkte bereits in der zweiten Hälfte des 17. Jh., dass „...die Wege in dieser Gegend nie menschenleer sind dank der Prozessionen zum Heiligen Berg, die ganze Gegend ist durch die Frömmigkeit wörtlich gesegnet..." Ein weiteres Urteil lautet: „... der Heilige Berg übertrifft jeden Reichtum, denn es gibt nichts wertvolleres als die Gesundheit, welche die Muttergottes auf dem Heiligen Berg den Menschen durch Wohltat des Himmels und Wunder zurückgibt. Dies ist eine außergewöhnliche Gabe und kostbarstes Denkmal und Berühmtheit dieser Gegend."
Wundervolle Genesungen, Hilfe bei verschiedenen Bedrohungen und in Lebensgefahr notierten die Jesuiten durchgehend - viele wurden veröffentlicht, viele wurden nur in Handschriften festgehalten. Insgesamt wurden über tausend Wunder registriert, welche das Vertrauen in die Hilfe der Muttergottes aufkommen ließen. Diese Hilfe suchten Generationen von Pilgern auf dem Heiligen Berg bei der gnadenreichen Statue, der sie höchste Ehre erwiesen, Aufmerksamkeit schenkten, und die sie pflegten. Die Statue wurde bei verschiedenen Gelegenheiten in kostbare Kleider gehüllt, deren Anzahl ununterbrochen stieg. Sie wurden aus prachtvollen, reich verzierten Stoffen genäht, aber nicht einmal das schien den Pilgern für die Himmelskönigin herrlich genug zu sein. Aus den Spenden wurde für sie im Jahre 1723 ein goldener, mit Edelsteinen, Emaille und Perlen geschmückter, getriebener Panzer (1734 noch reicher geschmückt) hergestellt. Die Statue stand auf dem Hochaltar, der in mehreren Phasen aus Silber gefertigt wurde. Doch die Verehrer Mariens wünschten noch mehr - Königskronen aus Gold.
Krönungen von Gnadenbildern und -statuen der Muttergottes führte die katholische Kirche im Jahre 1640 auf Empfehlung des italienischen Jesuiten Alessandro Sforza Pallavicini ein, der zur Ansicht kam, dass die goldenen Kronen, die von Fürsten und Königen getragen werden, um so mehr der Königin des Himmels und ihrem Sohn zustehen. Mit Genehmigung einer Sonderkommission im Vatikan wurden Marienbilder und -statuen an den berühmtesten Wallfahrtsorten zuerst in Italien und später auch in anderen Ländern gekrönt. Dieses Privileg wurde schließlich auch der Gnadenstatue der Muttergottes vom Heiligen Berg erteilt, und dadurch dem ganzen Heiligen Berg, der sich so zu den berühmtesten Wallfahrtsorten der Welt zählen durfte. Die erste Krönung fand am 22. Juni 1732 statt. Für dieses Fest wurden einige Altäre errichtet, das Prager Tor wurde mit illusionistischen Malereien bedeckt und der gesamte Heilige Berg mit solcher Pracht und Herrlichkeit geschmückt, wie man es hier noch nie erlebt hatte. Die Feier dauerte acht Tage lang in Anwesenheit von unzähligen Pilgern, Adeligen und Geistlichen. Täglich wurden bis zu siebzehn Messen gelesen. Die Regie der Festlichkeiten war perfekt - man hatte ja ein gutes Vorbild. Vor nicht zu langer Zeit feierte man die Seligsprechung (1721) und anschließend die Heiligsprechung (1729) des Johannes von Nepomuk in Prag und im nahen Städtchen Nepomuk, woran sich das ganze Volk beteiligte; es war eine wahrhafte Explosion von Feiern und Gottesdiensten. Die ruhmreiche Krönung auf dem Heiligen Berg wurde zum Gipfel der vorhergehenden Festlichkeiten. Es war die Zeit des größten religiösen Aufschwungs, in der die Pilger den hundertsten Jahrestag der wundervollen Genesung des Einsiedlers Procházka feierten, welcher sich der erniedrigten und verwahrlosten Kapelle annahm, die zum zentralen Gotteshaus des berühmtesten Wallfahrtsortes des Königreichs Böhmen wurde.
Kunsthistorisch gesehen war der Stand der Architektur und der Ausschmückung zur Zeit der Krönung optimal. Der zentrale sakrale Raum war zwar klein - er hatte die Abmessungen der alten, ursprünglichen Kapelle, eine flache geschnitzte und vergoldete Decke, viele Silberlampen und einen proportional ausgewogenen niedrigeren Silberaltar - wirkte jedoch wie ein edles Schmuckkästchen für einen kostbaren Schatz. Alles war fertig, das ikonographische Programm erfüllt, die ursprüngliche architektonische Komposition vollbracht und vorerst durch nichts verunstaltet. Sämtliche Kapellen waren mit Stuckarbeiten von namhaften italienischen, in Böhmen tätigen Künstlern, sowie mit Originalmalereien einschließlich gemalter Wappen von zahlreichen Mäzenen geschmückt.
In den folgenden Jahren bemühte man sich zwar, alles zu verbessern und zu verändern, aber es trug nicht immer zum Guten bei. Wegen schädlicher Witterungseinflüsse (Regen, Schneestürme, Eisbelag, Raureif) wurden 1746 die Arkaden der drei offenen Kapellen an der Westseite des Gotteshauses zugemauert, die Wand zur Kirche entfernt und alles zu einem heterogenen Ganzen zusammengeschlossen. Das Heiligtum - die Kirche Mariä Himmelfahrt - konnte viel mehr Pilger aufnehmen, doch die Atmosphäre ging verloren. Den heiligen, fast geheimnisvollen dunklen Raum der alten Kapelle verband man mit der höchsten Mittelkapelle der ehemaligen Westloggia (und dadurch eigentlich mit der gesamten Loggia) - so kam es zur Begegnung zweier Welten.
Die bisher leeren Joche des Deckengewölbes neben den hochwertigen Stuckaturen der Kapellen in den Umgängen wurden wahrscheinlich nach 1751 mit anonymen Malereien von minderer Qualität bedeckt. An den Gewölben der Umgänge stellte vermutlich ein Mönch, ein Malerlaie, wie es üblich war, insgesamt hundert Wunder aus den Jahren 1639-1751 dar, die auf Fürbitte der Muttergottes vom Heiligen Berg geschehen waren. Bei jeder Darstellung steht das Datum. Nach der jüngsten, aus dem Jahre 1751, kann man die ungefähre Entstehungszeit der Malereien feststellen.
Für die großen Mengen der Pilger war auch die erweiterte Kirche noch zu klein, und deshalb beschlossen die Jesuiten, sie noch einmal zu erweitern. In den siebziger Jahren des 18. Jh. ließen sie Pläne für einen gründlichen Umbau ausarbeiten. Zu ihrer Realisierung kam es jedoch nicht mehr. Der Jesuitenorden wurde 1773 für mehr als vierzig Jahre aufgehoben, und die Verwaltung des Heiligen Berges übernahmen Diözesanadministratoren (seit 1796 hatten sie den Titel Propst).
Mit dem Abgang der Jesuiten schien der Heilige Berg verwaist zu sein. Das religiöse Leben wurde von Seiten des Staates eingeschränkt, Prozessionen verboten, Klöster aufgehoben und der Heilige Berg sogar um einen großen Teil seines Besitzes beraubt. Die Pröpste, oft alte Herren, und ihre Hilfspriester, schafften es kaum, die Seelsorge zu bewältigen. Für Renovierungen reichte weder Kraft noch Geld. Während ihrer gesamten Amtszeit gelang es ihnen nur, im Jahre 1848 die flache Decke über dem ältesten Teil der Kirche mit einem Gewölbe zu ersetzen, das genauso hoch war wie ihr westlichster Teil.
Als dann der Heilige Berg im Jahre 1861 den Priestern der Kongregation vom heiligsten Erlöser (Redemptoristen) anvertraut wurde, erwartete diese eine schwierige Aufgabe. Sie mussten zuerst an die Renovierungen herangehen, was viel Mühe kostete. Die Malereien in den offenen Kapellen waren meist nicht mehr zu erkennen, oder sie waren völlig vernichtet, ähnlich sah es mit Deckengemälden und Stichkappenbildern in den Umgängen aus.
Das von den Jesuiten durchgeführte ikonographische Programm passten die Redemptoristen dabei teilweise den Ansprüchen ihrer eigenen Kongregation an. Sie änderten das Patrozinium mancher Kapellen und Altäre und fügten neue hinzu. Alle Bilder ließen sie übermalen oder restaurieren. Im Jahre 1903 renovierten sie die Kirche und ließen ihr bisher leeres Deckengewölbe mit neubarocker (teils im Jugendstil gehaltener) Stuckatur ausschmücken. Nach einer umfangreichen Renovierung baten sie dann den Papst Pius X., dieser Wallfahrtskirche den Titel „Basilika" zu verleihen, einen Titel, mit dem der Heilige Vater ausnahmsweise die berühmtesten Gotteshäuser erhöht und auszeichnet. Der Papst Pius X. (später heiliggesprochen) anerkannte das Gesuch der Redemptoristen als berechtigt und erließ ein Sonderbreve „Sacri aedibus", mit dem er im Jahre 1905 den Heiligen Berg zur Basilica minor erhob. Die Feier dieser Erhöhung war wieder großartig, der Bedeutung des Titels entsprechend. Der Heilige Berg ist jedoch keine Basilika im bautechnischen Sinne, sondern im religiösen (symbolischen) Sinne, als Königspalast, d.h. Palast der Himmelskönigin Maria.
Die Basilika und die östliche Krönungskapelle wurden noch mit einigen neuen Altären bestückt, und in den Jahren 1928 bis 1934 wurde schließlich auch der offene Platz vor der Ostfassade würdig gestaltet.
Die Redemptoristen wirkten hier wohltuend bis zum Jahr 1950, in dem sie den Heiligen Berg für eine lange Zeit von vierzig Jahren verlassen mussten. Nach ihrer Rückkehr im Jahre 1990 wurden sie, genauso wie bei ihrer ersten Ankunft, vor große Aufgaben gestellt. Außer Seelsorge mussten sie Instandhaltung, durchgehende Restaurierungsarbeiten, aber auch große Rekonstruktionen auf sich nehmen. Zu den umfangreichsten und finanziell anspruchsvollsten gehört die Erneuerung des Treppenaufgangs zum Heiligen Berg (die Namen der zahlreichen Spender sind an den Tafeln im Treppengang zu finden) sowie die Renovierung der steinernen Terrasse, des Innenhofes, der Treppe zum Prager Tor, der Holztore usw. Es möge sie die Gunst der Muttergottes sowie die Freigiebigkeit der Pilger und anderer Besucher bei ihrer verantwortlichen, nützlichen und gottgefälligen Arbeit unterstützen!
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